Beitrag zur Netzstabilisierung

Über netzfreundlichen Stromverbrauch und das netzfreundliche Laden von E-Autos wurde bereits viel geschrieben. Im November 2025 kamen Meldungen über eine Reform rund um Vehicle-to-Grid (V2G) hinzu. Nur: Es gibt kaum alltagstaugliche Fahrzeuge, geeignete Wallboxen sind teuer, und bei den Energieversorgern liegt die Umsetzung noch in einiger Ferne. Wie könnte trotzdem jeder einen Beitrag zur Netzstabilisierung leisten?

Zuerst der Realitätscheck: Wer V2G als Einnahmequelle sieht, sollte den Gedanken vergessen. V2G ist derzeit – und für die nächsten Jahre – nicht wirtschaftlich. Der Beitrag zur Netzstabilisierung ist daher vor allem eines: ein finanzieller Beitrag.

Die Hypothese

Betrachten wir die Gesamtsituation.

Beitrag zur Netzstabilisierung: Schwankende Strompreise
Quelle: Gridio

Nicht nur im Sommer, sondern auch im Dezember ist der Strompreis zur Mittagszeit oft günstig. In den Morgenstunden und am späten Nachmittag bzw. am frühen Abend liegt er dagegen deutlich darüber. Die Abendspitze ist in der Regel höher als die Frühspitze.

Was liegt also näher, als mittags günstige Energie einzuspeichern und zu den Spitzenzeiten wieder abzugeben? Dafür benötigt man weder eine PV-Anlage noch ein Elektroauto. Ein günstiger netzgekoppelter Speicher und eine Steckdose reichen dafür völlig aus.

Überlegen wir also, welche Auswirkungen einer der aktuell vergleichsweise günstigen Kleinspeicher der 2 kWh-Größenordnung (1,6 kWh davon nutzbar minus Ruhestromverbrauch) im Haushalt haben könnte.

Ein mögliches Betriebsprofil für Frühaufsteher könnte ungefähr wie folgt aussehen:

05:30 – 07:30 Uhr: Einspeisen mit 200 W (bis zur Entladegrenze von 15 %)

11:30 – 14:30 Uhr: Laden mit 600 W (bis zur Ladegrenze von 95 %)

17:00 – 20:00 Uhr: Einspeisen mit 300 W

Zu allen anderen Zeiten erfolgt weder eine Ladung noch eine Einspeisung. Vorteilhaft ist es, dass der Speicher nur im Fenster 15 bis 95 % betrieben wird und such nur vier Stunden lang am unteren Ladestand und zwei bis drei Stunden am oberen Ladestand befindet.

Die verwendeten Leistungen lägen deutlich unter der 800 Watt-Grenze für Balkonkraftwerke, sodass keine technischen Schwierigkeiten zu erwarten wären.

Die Regulatorik ist im Detail jedoch nicht so einfach – klar, wir leben in Deutschland (siehe Kasten am Ende). Zumindest für Niedersachsen gibt es glücklicherweise derzeit keine zusätzlichen landesspezifischen Sonderregeln.

Arbeiten wir uns kurz durch die Anforderungen:

  • Anschlussleistung unter 4,2 kW? Definitiv! Damit ist eine Steuerbarkeit nach §14a für neue Anlagen nicht erforderlich und auch die Schieflastgrenze von 4,6 kVA für den einphasigen Betrieb wird eingehalten.
  • Kann der Speicher ins öffentliche Netz einspeisen? Theoretisch ja, praktisch jedoch nicht, da der Kleinspeicher mit den vorgesehenen Einstellungen nie über den Grundlastverbrauch im Haus hinauskäme. Wenn die parallel existierende PV-Anlage einspeisen möchte, tut sie das ohnehin und das legal bis zu ihrer Leistungsgrenze. Natürlich könnte man die Konfiguration so ineffizient wählen, dass sowohl die PV-Anlage als auch der Kleinspeicher ins Netz einspeisen, was sehr ineffizient wäre. Das wäre jedoch ökonomisch unklug und aufgrund der Leistungsdaten des Kleinspeichers von maximal 800 W nur ein theoretisches Thema.
  • Dynamische Netzstützung gemäß VDE-AR-N 4105:2018-11 Abschnitt 5.7.3: Im Prinzip muss auch ein Kleinspeicher diese Anforderung erfüllen, falls er netzparallel einspeist. Dies erfordert eine Prüfung im Einzelfall, denn eine pauschale Aussage ist aufgrund der Normenlage nicht möglich. Die Erfüllung der Anforderungen der dynamischen Netzstützung grundsätzlich auch für Kleinspeicher erforderlich. Die bisherigen Recherchen zeigen jedoch, dass diese Prüfung in der Zertifizierungspraxis für Kleinspeicher als „nicht anwendbar“ geführt wird. Alles bestens – zumindest bis zur nächsten Novelle.
  • Marktstammdatenregister: Eine Eintragung wäre eine recht einfache Sache, also eher Fleißarbeit anstelle einer Hürde.

Die Kernfrage

Kommen wir zur Kernfrage: Würde sich der Betrieb des Kleinspeichers überhaupt lohnen?

Beitrag zur Netzstabilisierung: Kleinspeicher im Einsatz

Antwort: Natürlich, denn so wird Energie aus den Zeiten des Überangebots in die Zeiten hoher Nachfrage verlegt. Im Sommer ist die Mittagsspitze aufgrund der PV-Anlagen noch ausgeprägter und der Effekt auf das Übertragungsnetz vermutlich neutral bis leicht positiv, doch weniger Erzeugungskapazität würde abgeregelt werden.

Der kleine Speicher kann ca. 70–120 kg CO₂ bei großen CO₂-Differenzen in der Stromproduktion und bei einem variablen Tarif ca. 80 – 110 € pro Jahr einsparen. Damit hätten sich die Kosten in etwa vier Jahren amortisiert. Das ist kein Knaller, aber solide. Die Herstellung des Speichers verursacht nach aktuellen Benchmarks ca. 120-180 kg CO₂-Äquivalente, die nach zwei Betriebsjahren kompensiert sind.

Ohne variablen Tarif kostet die Übung allerdings Geld: Einerseits durch die Anschaffungskosten und andererseits durch die Umwandlungsverluste. Die knapp 1,6 kWh, die täglich durch den Speicher laufen, erfordern etwa 20 % mehr Energie, also etwa 1,9 kWh. Die ~0,3 kWh Mehraufwand pro Tag ergeben etwa 110 kWh Zusatzverbrauch pro Jahr, was sich bei 30 Cent pro kWh auf etwa 33 Euro Mehrkosten pro Jahr summiert (mit einer zusätzlichen PV-Anlage etwa nur die Hälfte für das Winterhalbjahr).

Angenommen, der Speicher hält sechs Jahre, trotz der typischerweise achtjährigen Garantie.

Einfach gerechnet lägen am Lebensende die Gesamtkosten für diese Zeit bei etwa 108 Euro pro Jahr (je nach Anschaffungspreis). Mit den Opportunitätskosten der Investition (entfallener Zinsgewinn von 5 %) lägen die Gesamtkosten bei rund 131 Euro pro Jahr und wären damit unterhalb der möglichen Einsparungen mit variablem Stromtarif. Dem stünde eine Einsparung von bis zu 0,7 Tonnen CO₂ gegenüber.

Ob die erzielten Ergebnisse diese Kosten wert sind, muss jeder individuell für sich beurteilen…

Skalierung

Wie sähe es hingegen aus, wenn es zehn Millionen dieser Kleinspeicher verteilt über ganz Deutschland gäbe? Die Kosten lägen bei etwa 4,5 Milliarden Euro, wobei sich bei einer Bestellung von Speichern in dieser Menge vermutlich ein günstigerer Einkaufspreis erzielen ließe, möglicherweise etwa die Hälfte, also rund 3 Milliarden Euro. Bei derzeit rund 41 Millionen Haushalten würde in jedem vierten ein Kleinspeicher in Betrieb gehen.

An dieser Stelle habe ich die KI mit einer Modellrechnung auf der Basis der Stromdaten 2025 beauftragt, um die Auswirkungen auf das Netz und die Netzausbaukosten zu kalkulieren. Das Ergebnis:

  • Alle Kleinspeicher zusammen könnten bis zu 13 GWh pro Tag bzw. etwa 4,75 TWh pro Jahr verschieben, was knapp unter 1 % der Gesamtverbrauchsmenge in Deutschland entspricht.
  • Der Glättungseffekt für die Spitzen läge bei 4 – 6 %.
  • Die Reduktion der Abendpreise könnte bei 3 – 8 % liegen.
  • Die Einsparung beim Netzausbau könnte als Modellannahme bei etwa 0,5 – 2 Milliarden Euro pro Jahr liegen.

Es wäre günstig, die Kleinspeicher als Flotte nicht nur nach einem festen Zeitraster, sondern auf Basis der lokalen Erzeugungs- und Verbrauchsbilanz feingranular steuern zu können. Das ist technisch keine große Aufgabe, denn schon heute kann man Kleinspeicher von Börsenstrompreisen steuern lassen. Dieses Problem kann als gelöst ansehen werden. Damit können die Einsparungen maximiert, Mittagsüberlastungen vermieden und ein nächtliches Stromangebot durch Windkraft im Winter optimal genutzt werden. Immerhin gab es 2025 einen Rekord von 525 Stunden mit negativen Energiepreisen!

Die CO₂-Reduktion läge damit immerhin bei etwa 0,7 bis 1,2 Millionen Tonnen pro Jahr.

Unter dem Strich

Auch wenn die Zahlen mit erheblichen Unsicherheiten behaftet sind: Sowohl die CO2-Bilanz als auch die Kostenbilanz wären bei Großbestellungskosten nach zwei Jahren positiv.

Und das Beste daran: All das ist mit heute verfügbarer Technologie möglich, die bereits zigtausendfach in Balkonkraftwerken genutzt wird, ganz ohne Science-Fiction.

Keine 3.800-km-Leitung aus der Sahara, keine energiehungrige CO₂-Abscheidung, keine Fusionsversprechen. Den „grünen Wasserstoff“ lassen wir für diesen Zweck gleich von vorneherein aus dem Spiel.

Etwas überspitzt formuliert könnten die öffentliche Hand oder die Netzbetreiber diese Kleinspeicher sehr günstig an netzdienlich gelegene Haushalte abgeben und würden bei der Zubaugeschwindigkeit von Speicherkapazitäten im Netz, den Vorteilen für die Netzstabilität und bei der Umweltbilanz spürbar vorankommen und im Gegenzug signifikante Kosten beim Netzausbau und dem Redispatch in Engpassgebieten sparen.

Die Verteilung der Geräte müsste nach den Kriterien der Netzdienlichkeit erfolgen, wobei teilnehmende Haushalte eine kleine „Hosting-Prämie“ erhalten würden. Genau dieses Modell gibt es übrigens bereits in Schweden (z.B. von Checkwatt).

Was meint ihr? Ist ein Kleinspeicher im Haushalt lediglich verlustreicher Nonsens und die Verteilung von Elektroschrott im Land? Oder eine Möglichkeit zur Unterstützung der Stromnetze durch jeden mit mäßigen Kosten und wenig Aufwand?

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

neun + 20 =