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Kuriose Fahrzeuge mit BAFA-Förderung

Wenn mir langweilig ist…

… sehe ich auf der BAFA-Liste nach, welche Einträge dort neu enthalten sind. Und da stößt man durchaus auf kuriose Fahrzeuge mit BAFA-Förderung! Bei manchen ist das eher schwer nachzuvollziehen, was die Schwierigkeit zeigt, treffsichere Förderprogramme zu definieren.

Das bedeutet nicht unbedingt ein echtes Problem: Jedes E-Fahrzeug mehr ist ein Fortschritt. Außerdem hat die Liste derzeit immerhin 539 Einträge für Autos mit reinem E-Antrieb. Und obwohl gefühlt zwei Drittel der Einträge von den schier unüberschaubaren Modellvarianten von Opel und Peugeot belegt sind, gibt es doch ein paar interessante Ausreißer.

Das trifft definitiv auf den ersten Fall zu, den Bergmann 804 E.

Bergmann 804 E

Dieses Fahrzeug ist definitiv kein klassisches Automodell, aber man darf es mit dem Führerschein der Klasse B fahren.

Es kommt von der Firma Bergmann, die Fahrzeuge für die Baustellennutzung herstellt. Das gezeigte Fahrzeug ist ein ähnliches Modell, aber nicht das elektrifizierte Fahrzeug von Bergmann (jedenfalls bis ich eine Bildfreigabe von der Firma erhalte).

Quelle: Wikipedia

Der Listenpreis beträgt schlanke 64.839 Euro und damit ist der 804 E noch knapp mit dem reduzierten Fördersatz von 4.500 Euro förderfähig. Der Herstelleranteil von 3.000 Euro ist natürlich noch abzuziehen.

Das Fahrzeug ist kein Schnäppchen und die Kabine hat noch mehr Durchzug als ein Twizy, dafür ist es mit robusten Lithium-Eisenphosphat-Akkus ausgestattet und damit praktisch der nächste Verwandte des Tesla Model 3 aus chinesischer Produktion.

Über die Ladeleistung schweigt der Prospekt, ebenso über die Reichweite. Schade eigentlich! Es ist aber definitiv höchste Zeit, dass Baustellenfahrzeuge elektrifiziert werden und deshalb kann ich an der Förderfähigkeit auch keinen Nachteil erkennen.

GECO

Oder wie wäre es mit einem Minivan für sechs Personen? Kein Problem für den Geco der italienischen Firma Esacondo Energia.

Ebenfalls mit LiFePo-Batterien ausgestattet, schafft er bis zu 180 Kilometer Reichweite laut Prospekt.

Angaben über Lademöglichkeit und Höchstgeschwindigkeit habe ich leider nicht gefunden. Nostalgiker werden sich an die Firma Tazarri erinnert fühlen, deren aktuelles Fahrzeug Zero aber nicht auf der BAFA-Liste steht. Das ist nicht überraschend, denn technisch gesehen ist der Zero ein Quad und die sind grundsätzlich nicht förderfähig.

Ähnliche Fahrzeuge gibt es übrigens auch von einem anderen Italiener zu kaufen, nämlich von Piaggio als Porter Elektro. Auch den Klassiker von Streetscooter (ebenfalls förderfähig!) darf man nicht vergessen.

EVUM aCar

Dieses Gefährt heißt zwar wie „ein Auto“, ist aber ebenfalls ein reines Zweckfahrzeug.

Für dieses Fahrzeug gibt es eine Menge technischer Angaben auf der Website: Allradantrieb! 200 Kilometer Reichweite! 20 kW Dauerleistung, Spitze 28 kW! 70 km/h Höchstgeschwindigkeit! Aber leider funktioniert das Aufladen des 48 V-Akkus nur per 230 V-Steckdose, aber immerhin mit Typ 2-Anschluss.

Bei dieser geringen Akkuspannung fließen bis zu 600 Ampere durch die Kabel, das ist schon eine ganze Menge und beinahe schon etwas besorgniserregend.

Dafür kann man das aCar mit allerlei nützlichen Anbauteilen versehen, die für PKWs nicht ganz typisch sind…

Zhidou D2S

Mit diesem „Auto“ findet sich ein Experiment der Micromobility in der BAFA-Liste.

Zhidou D2S
Quelle & Lizenz

Die deutsche Website ist noch ein buntes Gemisch aus englisch betitelten Bilder mit chinesischen Kennzeichen, die Herkunft soll gar nicht verschleiert werden.

Das Auto ist etwas über 2,8 Meter lang, etwa 12 Zentimeter länger als ein Smart Fourtwo. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei bescheidenen 90 km/h und die NEFZ-Reichweite bei 150 Kilometern.

Der Motor hat eine Dauerleistung von 9 kW (Spitze 18 kW) und gegen Aufpreis gibt es 15 kW (30 kW Spitze). Die Antriebsbatterie ist eine Li-Ion-Batterie mit 144 V Nennspannung. Kurioserweise steht auch eine LiFePo-Batterie mit 72 V im Datenblatt, sie ist aber als „nicht erhältlich“ markiert – es gibt also Gemeinsamkeiten mit den e-Drillingen von Volkswagen.

Dafür gibt es bescheidenen Luxus: Klimaanlage, Multifunktions-Lederlenkrad, Leder-Sport-Sitze und ein höhenverstellbares Lenkrad! Nicht einmal der Hoffnungsträger des elektrischen Kleinwagensegments, der Dacia Spring, kann mit einer derartigen Ausstattung aufwarten.

Für nur 19.700 Euro minus 3.000 Euro Herstelleranteil minus 6.000 Euro Innovationsprämie, also ganze 10.700 Euro wechselt dieses Auto den Besitzer, wenn man mit dem schwächeren Motor leben kann. Der stärkere Antrieb kostet 1.000 Euro mehr. Trotzdem ist der Zhidou D2S noch nicht einmal das billigste förderfähige Elektroauto.

Den großen Erfolg für dieses Fahrzeugkonzept würde ich in Deutschland jedenfalls nicht erwarten.

Was noch auffällt

Auf der BAFA-Liste findet sich genau ein einziges Brennstoffzellenfahrzeug, der Toyota Mirai in drei Varianten, das Basismodell um exakt 53.697,48 Euro. Beim Barkauf gibt es also zwei Glücks-Cent zurück, was den Verkaufszahlen anscheinend nicht wirklich weiterhilft.

Außerdem gibt es auch 438 Einträge für förderfähige Hybridfahrzeuge und das ist ein echtes Haar in der Suppe: So viel Hybrid-Förderung muss nicht sein.

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Ladefuchs im Mai

Es bleibt dabei: Ladetarife und die Verfügbarkeit von Ladesäulen bei den Ladestromanbietern ändert sich ständig. Auch der Mai bringt viele Änderungen mit sich und die kleine, aber praktische App „Ladefuchs“ von den Machern des CLEANELECTRIC-Podcast gibt dazu eine kompakte Übersicht. Was also sagt der Ladefuchs im Mai?

Der Ladefuchs bringt neue Ladetarife
Quelle: Pixabay

Die erste Neuigkeit betrifft Ionity: Die Stadtwerke München bieten einen nahezu unschlagbar günstiger Ladetarif an, nämlich 38 Cent für Laden mit AC und DC, inklusive Roaming. Und er gilt an Ionity-Säulen! Wiederholen die Münchener das Debakel von Maingau mit Anlauf oder sind das mittlerweile kostendeckende Preise? Ist das eine gelungene Mischkalkulation mit einem etwas höheren Preis für AC und einem günstigen Preis für DC?

Der bisherige Bestpreis von 49 Cent über EWE GO ist damit klar unterboten und selbst We Charge ist nur noch mit dem Tarif We Charge Plus bei 10 Euro monatlicher Grundgebühr billiger (30 Cent pro kWh). Das rechnet sich immerhin ab 125 kWh monatlichem Ladevolumen relativ rasch, wohingegen We Charge Go bei 7,49 Euro monatlicher Grundgebühr und Stromkosten von 55 Cent pro Kilowattstunde ein komplettes Verlustgeschäft geworden ist.

Auch bei Säulen von Allego, Comfortcharge, ENBW und Ladenetz liegen die Stadtwerke München bei DC gegenüber dem ADAC-Tarif um einen hauchdünnen Cent pro kWh voran. Bei Ladepunkten von E.ON, be.energized, Fastned und Ladeverbund+ wird die Karte der Stadtwerke München allerdings nicht akzeptiert.

Anders ist das Bild beim AC-Laden, denn da hat der ADAC-Tarif generell die Nase vorne. Er ist aber an die kostenpflichtige Mitgliedschaft gebunden.

Was fällt noch auf? Zum Beispiel, dass die Fastned-Ladekarte (59 Cent/kWh) beinahe die teuerste Möglichkeit ist, bei Fastned zu laden. Shell Recharge (58 Cent), Chargepoint (50 Cent), ENBW+ (49 Cent), Maingau (48 Cent) und ADAC E-Charge (39 Cent): alle günstiger. Oder anders herum: Der Fastned-Tarif ist bei Fastned-Ladepunkten um über 51 % teurer als der ADAC-Tarif. Das ergibt bei einer 80 %-Ladung für einem 77 kWh-Akku inklusive ein paar Ladeverlusten immerhin 12 Euro pro Ladevorgang!

Es gilt also nach wie vor die alte Regel des E-Mobilisten: Die Ladetarife muss man jeden Monat neu prüfen.

Ich habe mir jedenfalls gleich die SWM-Karte um fünf Euro bestellt. Wer weiß, wie lange das Angebot noch verfügbar ist? Vielleicht wird es von SWM gleich am ersten Arbeitstag des Monats Mai – also morgen, 3. Mai 2021 – wieder abgeräumt.

Es bleibt jedenfalls spannend, ob sich das Maingau-Szenario wiederholt oder SWM den Tarif so durchhält. Wir es werden gemeinsam erleben!

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Die billigsten Elektroautos in Deutschland

Regelmäßig wird die Liste der förderfähigen Elektrofahrzeuge (BAFA-Liste) aktualisiert. Was sind nun die billigsten Elektroautos in Deutschland?

Das Ergebnis ist überraschend, denn die drei Plätze auf dem Siegerpodest gehen an insgesamt acht Automodelle, von denen man tatsächlich kein einziges bei einem Händler kaufen kann!

Platz 1: Citroen C-ZERO und Peugeot iOn Active um jeweils 15.000 Euro. Es muss sich wohl um die allerersten Modellreihen handeln, denn die Modelljahre 2017 (16.638,66 Euro) und 2018 (bereits stolze 18.319,33 Euro) stehen für beide Schwestermodelle ebenfalls auf der Liste. Tatsächlich kaufen kann man weder den iOn, noch den C-ZERO. Streng genommen müssten die beiden auch Platz 2 belegen, doch das wäre langweilig. Interessantes Detail: Der baugleiche Mitsubishi i-MiEV steht überhaupt nicht auf der Liste.

Platz 2: Suda SA01 um 16.370,69 Euro. Nähere Informationen zu diesem ziemlich unbekannten Auto aus China finden sich in einem meiner Besuchsberichte beim Ladepark Hilden. Das Auto wird aktuell über Ebay Kleinanzeigen verkauft, das würde ich persönlich nicht als ernsthaft kaufbar klassifizieren.

Platz 3: Dacia Spring Comfort um 17.218,49 Euro. Diese Auto wird man hoffentlich irgendwann einmal tatsächlich erwerben können, derzeit zu kaufen ist es aber nicht.

Danach folgen zwei der E-Drillinge von Volkswagen (SEAT Mii electric 17.352,94 Euro, SEAT Mii electric MJ21 17.415,97, Skoda CITIGOe iV Ambition 17.605,04 Euro), die aber bekanntlich auch nicht mehr verkauft werden.

Damit stellt sich die Frage: Wie und wann werden Autos eigentlich wieder aus der BAFA-Liste gestrichen? Oder bleiben uns sämtliche Einträge für alle Zeit erhalten, als amtliches Geburtenregister längst vergangener Automodelle, das im Jahr 2035 (endlich Kohleausstieg!) über 18.000 Einträge haben wird?

Und bevor es Beschwerden gibt: Der Citroen Berlingo Electric müsste mit 15.690 Euro den zweiten Platz belegen, doch kommt der Preis nur in Verbindung mit Batteriemiete zustande und das ist natürlich kein fairer Preisvergleich.

Was bleibt ist die Erkenntnis: Die billigsten Elektroautos Deutschland nach BAFA-Liste kann man einfach nicht kaufen.

Außer Konkurrenz wäre noch der Ligier Pulse (18.380 Euro) zu erwähnen. Obwohl er den eminenten Namen eines Formel 1-Rennstalls aus meinen Kindertagen trägt, ist er deutlich als Nutzfahrzeug zu erkennen. Keine Sportsitze, kein Lederlenkrad, bestenfalls die Radzierblenden aus Kunststoff erinnern an den Glanz vergangener Tage: Formel 1-Sieg 1977 in Anderstorp! Nur der Wandel ist beständig.


Diesen Artikel gibt es auch auf Martins Blog.

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Das Dacia-Problem

Worum geht es?

Im gestrigen Youtube-Video hat sich Stefan Moeller von nextmove über die Preispolitik bei Dacia beklagt. Was ist das Dacia-Problem? Der Listenpreis des kommenden Dacia Spring ist in Deutschland um 3.000 Euro höher als in Frankreich.

Das ist natürlich kein Zufall: Das sind genau jene 3.000 Euro, die der Hersteller als Rabatt geben muss, um die BAFA-Förderfähigkeit zu erreichen und damit die 6.000 Euro Innovationsprämie zu ermöglichen.

Stefan findet Dacias Vorgehen skandalös. Aber wenn man das Thema weiter durchdenkt, ist es nicht mehr ganz so einfach. Gibt es das Dacia-Problem aber wirklich?

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Meinung Reportage

IONITY Find. Charge. Go!?

6 schnelle neue IONITY Ladepunkte am Allerpark Wolfsburg

Am 30. März hatte ich als Drehort für mein Aprilscherz-Video die frisch aufgebauten IONITY Ladesäulen am Allerpark Wolfsburg aufgesucht. Das dort von mir festgestellte Problem mit der We Charge Ladekarte, gab mir Material für diesen Beitrag. Zumal es sich über mehrere Tage hinzog und schließlich mit einer überraschende Wende endete.