Ladeflatrates in Deutschland

Anlässlich der neuen Tarife bei JUCR ist es ein guter Zeitpunkt, um einen Blick auf Ladeflatrates in Deutschland zu werfen.

Klären wir zuerst, was eine Flatrate überhaupt bedeutet. Der deutsche Begriff „Pauschaltarif“ hat sich nicht durchgesetzt, erklärt aber das Prinzip: Alle nutzungsabhängigen Kosten sind in einer fixen Gebühr enthalten. So sind wir es gewohnt von Mobilfunkverträgen, China-Buffets und – wer’s kennt – dem Fitness Center.

Gibt es eine Flatrate?

Jedes dieser Konzepte hat seine eigenen Tricks, um Nutzungsexzesse zu unterbinden. Das Fitness Center wäre als Wohnungs- oder Hotelzimmerersatz durchaus geeignet, verfügt es doch über Heizung, Dusche, Toiletten und ausreichend viele gemütliche Gummimatten. Das Internet kann irgendwie fast alles und so ist es kein Wunder, dass auch diese Frage bereits gestellt wurde. Die Antworten sind allerdings noch nicht überzeugend. Wir können aber davon ausgehen, dass man vom Personal relativ rasch verabschiedet wird, wenn man in der Früh aus dem Schlafsack rollt.

Mobilfunkanbieter werben gerne mit „unbegrenzter“ Internet-Nutzung, reduzieren die Geschwindigkeit jedoch radikal nach dem Verbrauch eines gewissen Datenvolumens. Ich habe noch Zeiten erlebt, in denen 64 Kilobit/s als schnelle Verbindung galt, das ist lange vorbei. Immerhin sind Telefonminuten und SMS wirklich unbegrenzt möglich. Meine jugendlichen Rekorde von über 800 SMS pro Monat sind aber ebenfalls lange her…

Zurück zur Individualmobilität! Flatrates für den Benzinverbrauch im Auto sind mir bisher nicht bekannt. Umso überraschender, wenn diese Idee bei Fahrstrom immer wieder auftaucht.

Ähnlich wie beim Datenvolumen im Mobilfunk gab es für diese Angebote im Kleingedruckten versteckte Mengenlimits. Das ist verständlich, denn gegen das Laden mehrerer Autos mit einem einzigen Flat Rate-Vertrag ist kein Kraut gewachsen. Wenn’s nicht reicht, kann man dann auch Verwandte, Nachbarn und Freunde mit Strom für das Elektroauto versorgen.

Die Nachfrage nach Strom wäre also potenziell unbegrenzt. Oder doch nicht? Bei einer Ladeleistung von 11 kW kann man pro Durchschnittsmonat nur etwa 8.000 kWh entnehmen, das wäre die physikalische Grenze. Wer eine Aluschmelze betreibt, würde etwa 6 Cent pro Kilowattstunde bezahlen und könnte diese Flatrate für schlanke 480 Euro pro Monat als Durchlaufposten (ohne Betriebskosten und ohne Gewinn) gefahrlos anbieten.

Das zeigt schon, wie weit Wunsch und Wirklichkeit bei Ladeflatrates auseinander liegen. JUCR ist definitiv kein Aluminiumhersteller, ELVAH auch nicht. Die Stromkosten für beide dürften also erheblich oberhalb von 6 Cent liegen.

Für beide Anbieter hat sich der Anspruch auf eine Flat Rate aber nun auch offiziell erledigt: JUCR wirbt derzeit mit „Erlebe die volle Ladefreiheit!“, ELVAH verspricht „Elektroauto einfach laden“. Kommt mir das nicht bekannt vor?

Einfach sind beide Dienste, kostengünstig allerdings nicht. Hinter allen Paketen, Add-Ons, Zusatzleistungen und Modellen kommt man irgendwann auf die wahren Preise:

AnbieterBasispreis ACBasispreis DC
JUCR42 Cent / kWh50 Cent / kWh
ELVAH54 Cent / kWh69 Cent / kWh

ELVAH schafft das Kunststück, dass der Strompreis im größten Tarifpaket „L“ trotz Vertragsbindung teurer als der eigene Basispreis ist – um immerhin 1,6 Cent. Da erscheint das Angebot von JUCR vergleichsweise realitätsnah.

Jeder kann diese Tarife mit dem jeweils bevorzugten Fahrstromanbieter vergleichen. Da werden derzeit etwa 39 Cent aufgerufen und die untere Preisgrenze – vermutlich der eigenen Hausstromtarif oder günstiger Strom am Arbeitsplatz – kennt jeder am besten selbst.

Insgesamt sieht es für mich so aus, dass nur JUCR eine realistische Chance hat: europaweiter Einheitstarif und eine tatsächlich einfach zu bedienende und zuverlässige App. Doch auch diese Chance sehe ich aufgrund des Preisunterschieds nur als hauchdünn.

Außerdem könnte JUCR aufgrund der nun vermutlich sehr hohen Stromverrechnungen, die in März und April eintreffen werden, immer noch in den Exit kippen.

Doch es gibt auch neue Anbieter, beispielsweise gogreenenergy (die App heißt goCharge). Dort gibt es zwei Möglichkeiten der Tarifierung: Nach Volumenpaket oder nach Zeit. Ich hatte in meiner JUCR-Zeit unter 400 kWh Monatsverbrauch, die mich bei gogreenernergy im Volumentarif (Paket L bis 420 kWh) 137,90 Euro bzw. 34,5 Cent / kWh kosten würden. Mit Zeittarif lägen die Kosten bei einem Betrag ab 5 Cent pro Minute, allerdings nur bei 3,7 kW Ladeleistung. Bei 11 kW Ladeleistung sind es bereits 18 Cent pro Minute, vier Stunden Ladezeit (44 kWh) kämen auf 43 Euro bzw. fast einem Euro pro Kilowattstunde. Bei 22 kW Ladeleistung wären es immer noch 49 Cent. Im Gegensatz zu anderen Anbietern kann man dafür bis zu 50 Prozent des Volumens in den nächsten Monat mitnehmen. Ob dieses Angebot auch für Wohnsitze außerhalb Österreichs gilt, konnte ich noch nicht herausfinden. Die Implementierung des Online-Formulars spricht leider dagegen. Macht aber nichts, denn in Wolfsburg und Umgebung wird keine einzige Ladesäule unterstützt.

Die Flatrate bleibt also ähnlich wie die Flat Earth: Manche glauben an sie, doch eigentlich gibt es sie nicht…

2 Kommentare

  1. Hallo,
    kleine Korrektur zu gogreenenergy: Zeittarife liegen bei AC11 und AC22 bei 18 cent/min, nicht 5 cent/min…damit kostet die Kilowattstunde fast 1€…nicht sehr interessant.

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