Das Dacia-Problem

Worum geht es?

Im gestrigen Youtube-Video hat sich Stefan Moeller von nextmove über die Preispolitik bei Dacia beklagt. Was ist das Dacia-Problem? Der Listenpreis des kommenden Dacia Spring ist in Deutschland um 3.000 Euro höher als in Frankreich.

Das ist natürlich kein Zufall: Das sind genau jene 3.000 Euro, die der Hersteller als Rabatt geben muss, um die BAFA-Förderfähigkeit zu erreichen und damit die 6.000 Euro Innovationsprämie zu ermöglichen.

Stefan findet Dacias Vorgehen skandalös. Aber wenn man das Thema weiter durchdenkt, ist es nicht mehr ganz so einfach. Gibt es das Dacia-Problem aber wirklich?

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Quelle: youtube.com

Problem 1: Die Harmonisierung von Steuern und Abgaben

Steuern, Abgaben und Förderungen sind nun mal innerhalb der EU nicht harmonisiert. Das kann man den Autoherstellern schlichtweg nicht zum Vorwurf machen.

Dass sie sich innerhalb der legalen Grenzen darauf einstellen, auch nicht. In Dänemark beträgt die Steuer auf Autos 150 % und die Hersteller haben deshalb die Nettopreise dort immer schon geringer angesetzt als in Deutschland, um überhaupt Autos verkaufen zu können.

Dass sie sich innerhalb der legalen Grenzen darauf einstellen, auch nicht. In Dänemark beträgt die Steuer auf Autos 150 % und die Hersteller haben deshalb die Nettopreise dort immer schon geringer angesetzt als in Deutschland, um überhaupt Autos verkaufen zu können.

In Österreich gibt es eine Autobahnmaut und die Förderung für E-Autos beträgt 5.000 Euro, einen Herstelleranteil gibt es nicht. Dafür ist der Strompreis deutlich geringer, da es keine EEG-Umlage gibt.

Man muss also schon das Gesamtbild im Blick haben.

Problem 2: Der fixe Herstelleranteil

Der Herstelleranteil ist ein fixer Betrag, der bei billigen Autos viel zu hoch ist. Der Listenpreis des Dacia Spring ist etwa 21.000 Euro, da machen 3.000 Euro fast 15 % aus. Kaum vorstellbar, dass Dacia mit diesem Nachlass noch einen Gewinn erzielen kann. Bei einem Audi etron um 60.000 Euro beträgt der Herstelleranteil verkraftbare 5 % und Audi verdient an der langen Aufpreisliste noch zusätzlich.

Wenn Renault / Dacia derzeit etwas braucht, dann sind es Gewinne, nach 8 Milliarden Verlust in 2020. Gewinn muss jedes Unternehmen machen können. Man wird also kaum verlangen können, dass Dacia den Spring in Deutschland mit Verlust verkauft, nur damit allen Befindlichkeiten gedient ist. So macht es dann VW mit den Drillingen: Weil der Verkauf keinen Gewinn bringt, werden sie derzeit überhaupt nicht mehr angeboten.

Wäre der Herstelleranteil ein Prozentsatz des Listenpreises, dann würden Kleinwagen nicht derart überproportional belastet. Für die Ausgestaltung der Innovationsprämie kann der Hersteller aber nichts, das war einfach mangelnde Folgenabschätzung im politischen Prozess.

Problem 3: Die Alternative

Wenn wir ausschließen, dass Dacia ein Auto in Deutschland mit Verlust verkauft, dann bleibt nur eine Alternative: Dacia verteuert das Auto im Rest von Europa.

Doch wie genau soll das funktionieren? Die Bundesregierung verklagt Dacia in Frankreich auf Anhebung der Listenpreise? Und selbst wenn das nicht völlig aussichtslos wäre: Das kann man als Konsequenz eines Förderprogramms in Deutschland nicht ernsthaft anstreben und die Beeinflussung von Fahrzeuglistenpreisen im Ausland ist definitiv keine hoheitliche Aufgabe der Bundesregierung.

Fazit

Jedes Förderprogramm hat Nebenwirkungen, egal wie kompliziert man es aufzieht. Die zu kurze Behaltedauer beim BAFA-Förderprogramm wird anscheinend jetzt repariert.

Der Vergleich mit Fahrzeugpreisen im Ausland ist hingegen wenig sinnvoll und beim Dacia-Problem wird übertrieben. Natürlich wäre es schön, wenn der Spring noch billiger wäre, aber das geht nicht beliebig weit.

Besser wäre es, wenn es ganz viele Mitbewerber mit besseren Autos zu noch billigeren Preisen gäbe. Aber es gibt sie derzeit nicht – warum wohl?