Wie viel Strom braucht ein E-Auto?

Mein Stromverbrauch mit zwei Elektroautos!

Zum Jahreswechsel bekommt man den freundlichen Hinweis, die Zählerstande aller externen Energiequellen auszulesen. Wer aufmerksam die Nachrichten der letzten Zeit verfolgt hat, wird mitbekommen haben, dass alle Energieformen nun zum 1. Januar teils kräftig zugelegt haben. Vor allem der Anstieg der Strompreise hat ganz andere Ursachen, als man vorschnell annehmen würde. Selbst der von mir seit vielen Jahren genutzte Anbieter Naturstrom erhöht seine Preise, obwohl es 100 Prozent nachhaltiger Strom aus eigenen Quellen ist. Im Folgenden erläutere ich meinen eigenen Stromverbrauch mit zwei E-Autos/Wallboxen, Einfamilienhaus, 2 Erwachsene und zwei Teenager.

Wie hoch steigt der Stromverbrauch mit einem Elektroauto?

Ende 2020 habe ich meinen letzten Verbrenner verkauft und bin komplett auf E-Mobilität umgestiegen. Zu dem Zeitpunkt war ich noch der Meinung, dass wir im Jahre 2021 Corona in den Begriff bekommen und unsere Fahrkilometer wieder auf das Niveau von 2019 kommen (25.000 km im Jahr mit 2 Autos und Jobrad). Im Nachhinein muss ich zugeben, dass sich der Kauf von dem e-up nicht gerechnet hat. Wir sind einfach zu wenig Kilometer (ca. 3000 km) damit gefahren im letzten Jahr. Der ID.3 blieb bei der Standard-Jahreslaufleistung von ca. 15.000 km. Falls das so weiter geht mit Corona und Home-Office, dann wäre ein Auto über. Nun zum Stromverbrauch mit zwei E-Autos. Es waren insgesamt 5641 Kilowattstunden (kWh) in 2021 (Kosten: 5641 kWh x 0,31Cent = 1748,71 EUR). Gegenüber dem Jahr 2020 ist das eine Steigerung von 800 kWh. Völlig ohne Elektroauto (vor 2016) lag der Stromverbrauch bei uns im Haushalt mit 3.800 kWh etwas unter dem bundesdeutschen Schnitt für einen 4-Personen-Haushalt. Jetzt sind es rund 1.900 kWh mehr. Das ist nicht besonders viel, wenn man die fast 24/7h Stunden laufenden Gaming-PCs meiner Jungs noch dazu rechnet. Auch mein Home-Office-Stromverbrauch fehlte damals fast völlig. Wir sind also mit beiden Fahrzeugen im letzten Jahr rund 18.000 km gefahren. Für Elektroautos rechnet man 15 kWh auf 100 km als durchschnittlicher Verbrauch. Also 18.000 km mal 15 kWh geteilt durch 100 km = 2.700 kWh Jahresverbrauch. Wer bis jetzt aufgepasst hat, denkt erst an einen Rechenfehler von mir oder dass ich etwas verschwiegen habe. Letzteres ist hier der Fall, denn Volkswagen hat mir in 2020 als 1st-Mover eine We Charge Ladekarte mit einem 600EUR Guthaben gegeben. Hier jetzt wieder in kWh umzurechnen ist nicht einfach, denn ich habe nicht ausschließlich an den Ionity-Ladesäulen mit einheitlichen Tarifen geladen. Im Durchschnitt sind es laut den Abrechnungen 40Cent pro kWh für schnelle Laden an DC-Ladesäulen geworden. Das macht dann 1.500 kWh, die ich von meinem Guthaben genutzt habe. Daraus ergibt sich eine Summe von 1.200 kWh, die an den heimischen Wallboxen geladen wurden. Wenn nun dieses vom Jahresverbrauch von 5.621 kWh abziehe, dann hätte ich ohne E-Autos nun einen Jahresverbrauch von 4.441 kWh. Damit liege ich dann unterhalb des Jahresverbrauchs von 2020 mit damals 4.939 kWh, dank dem Guthaben.

Der Energiekostenvergleich mit einem Verbrenner

Benziner: Der durchschnittliche Benzinpreis lag im Jahr 2021 bei 157,1 Cent pro Liter. Pkw mit Ottomotor verbrauchten im Jahr 2019 rund 7,8 Liter Benzin pro 100 Kilometer. Das macht dann bei einer durchschnittlichen Jahresfahrleistung von 15.000 km insgesamt 1.838,07 EUR Benzinkosten.

Diesel: Der durchschnittliche Dieselpreis lag im Jahr 2021 bei 138,6 Cent pro Liter. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 7 Liter Dieselkraftstoff pro 100 km und einer Jahresfahrleistung von 15.000 km zahlt man insgesamt 1455,30 EUR.

Elektro (zu Hause geladen): Der durchschnittliche Haushalts-Strompreis lag im Jahr 2021 bei 32,62 Cent pro kWh. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 15 kWh pro 100 Kilometer, ergibt das bei 15.000 km Jahresfahrleistung Stromkosten von 733,95 EUR.

Elektro (Unterwegs Schnelllader): Der durchschnittliche Strompreis für Schnelladen im Jahr 2021 lag bei 55 Cent pro kWh. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 15 kWh pro 100 Kilometer, ergibt das bei 15.000 km Jahresfahrleistung Stromkosten von 1.237 EUR. Für Leute, die weit mehr als 15.000 km im Jahr elektrisch fahren wollen, lohnt es sich einen Ladeflatrate-Tarif zu buchen. Dann reduziert sich der kWh-Preis teilweise auf Haushaltsstrom-Niveau.

Zu welchem Fazit komme ich?

2.250 kWh sind es durchschnittlich bei 15.000 km Fahrleistung und 15 kWh pro 100 Kilometern im Jahr. Ich habe auch auf einer Hersteller-Seite 2000 kWh pro 10.000 km im Jahr gesehen. Was dann einen statistisch höheren Verbrauch von 20 kWh / 100 km bedeutet. Aber selbst damit läge man noch unterhalb den Kosten für Autos mit fossilen Brennstoffen. Dennoch mag ich es nicht kritiklos hinnehmen, dass man bei den Elektroautos die Fehler aus dem Verbrenner-Zeitalter weiterführen muss. Die Automobile sind immer größer, schwerer und mit mehr Leistung versehen. Mein ID.3 ist mein erstes Fahrzeug, welches mehr Leistung als Höchstgeschwindigkeit hat. Wo soll das denn noch hinführen? Ein Elektromotor setzt die ihm zugeführte Energie mehr als doppelt so gut in Bewegung um wie ein Verbrenner. Dieser gute Wirkungsgrad sollte nicht mit noch fetteren und SUVs mit noch schwereren Akkus wieder zunichtegemacht werden. Wir benötigen mehr günstige, kleine, kompakte und verbrauchsarme Elektrofahrzeuge in den Angeboten der Hersteller. Alles deutet darauf hin, dass in den kommenden Jahren die Energiepreise deutlich steigen werden. Somit ist man mit einem E-Auto gut vorbereitet. Zumal man mit einem Einfamilienhaus selbst dagegen steuern könnte, indem man das Dach mit Solarpaneelen bestückt. Es gibt sogar bereits Andeutungen, dass Autostrom komplett kostenlos werden könnte, wenn man den Akku zur dezentralen Stabilisierung des Stromnetzes zur Verfügung stellt.

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Quellen: https://de.statista.com und https://www.destatis.de

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