Neulich habe ich das Strompreis-Experiment von Shell behandelt: Die Veränderung der Ladestrompreise in Richtung variabler Preise ist immerhin der aktuelle Trend. Tesla hat die zeitabhängige Tarifierung bereits im Oktober 2022 eingeführt (Bericht). Jetzt hat Tesla einen Schritt weiter gemacht und bietet Ladestrom für 28 Cent/kWh an. Das ist quasi Strom zum Hausstromtarif bei Tesla.

Dieser Preis gilt am Supercharger Waltersdorf jedoch lediglich in den fünf Stunden zwischen 23:00 und 04:00 Uhr, ein echter Eulen-Tarif also.
Weitere Supercharger-Standorte mit zeitweisem 28 Cent-Strom sind (Stand heute) in Leipzig, Wiesbaden und am Nürburgring zu finden.
28 Cent pro kWh sind billiger als mein Hausstromtarif und nur halb so teuer wie durchschnittliche öffentliche AC-Ladetarife. Das dürften wohl auch andere E-Autonutzer so sehen, denn im Gegensatz zum „Shell-Wochenende“ war ich in Waltersdorf definitiv nicht allein.

Auf dem Bild nicht deutlich zu erkennen: Nach den Kennzeichen waren alle Tesla-Fahrzeuge – ausgenommen meines – in Berlin beheimatet und auch ein Berliner Taxi nützte die Gelegenheit für billiges Laden.
Um etwa 23:30 waren die meisten Autos wieder abgefahren, was für ein punktgenaues Ausnützen des Preissprungs um 23:00 spricht.
Welche Schlüsse können wir daraus ziehen?
- Im Gegensatz zum Aktionsangebot von Shell sind 28 Cent auch für Hausstrom-Lader attraktiv.
- Ein fixes Zeitfenster ermöglicht bessere Planbarkeit, auch wenn Tesla seine Ladestrompreise häufig – aber zumindest nicht täglich, stündlich oder minütlich – ändert.
- Fernsehen, Streamen oder Surfen kann man im Auto auch.
Tesla hat die Strompreisgestaltung bereits von Beginn an zur Verhaltenssteuerung der Ladewilligen genutzt, also um die Belastung der Supercharger zu verteilen und um Spitzen zu reduzieren. In Deutschland und Österreich bot Tesla 2019 und 2020 sogar an einzelnen Wochenenden kostenloses Laden an, um die Spitzen des Reiseverkehrs zu reduzieren.
Bei den Supercharger-Tarifen besteht kein Zusammenhang zwischen Ladestrompreis und Börsenstrompreis, denn in der Nacht kostet der Strom regelmäßig zwischen 8 und 12 Cent pro kWh. Zu den Mittagsstunden mit teilweise negativen Strompreisen verlangt Tesla jedoch den höchsten Ladetarif, auch wenn dieser generell deutlich unter den Preisen anderer Anbieter liegt.
Fazit: Wer sich in der Nähe der günstigsten Supercharger aufhält und nachtaktiv ist, kann den „Hausstromtarif bei Tesla“ durchaus gut nutzen. Andere Anbieter dürfen derartige Nachttarife gerne nachmachen!