Erste Urlaubsfahrt mit dem ID.3

Elektroauto Sommerurlaub mit Familie und Gepäck an der Nordseeküste (Dagebüll)

Am 14. August sind wir zu unserer ersten richtigen Urlaubsfahrt mit einem Elektroauto aufgebrochen. Für unseren ID.3 mit dem 58-kWh-Akku, sollten die 355 Kilometer Strecke von Wolfsburg nach Dagebüll kein Abenteuer mehr sein. Die Webseite AbetterRoutePlanner.com hatte einen Ladestopp ausgerechnet. Das von Volkswagen eingebaute Navigationsgerät wurde von mir bei der Hinfahrt komplett ignoriert. Stattdessen hatte ich den Ladestopp Brokenlande Ost, als Zwischenziel in Google Maps eingegeben. Und schließlich per Android Auto ans Fahrzeugdisplay übergeben.

Google Maps statt Navigationsgerät

Die sich fortlaufend der Verkehrslage anpassende Navigation von Google hat uns gut durch das vollgestopfte Nadelöhr Hamburg gebracht. Die Darstellung der Navigation ist etwas komplexer als die des eingebauten Navis von VW. Google zeigt im Gegensatz zu VW alle Straßennamen – auch Nebenstraßen – auf der Karte an. In der mittleren kleinen Anzeige vom ID werden die bekannten Richtungspfeile dargestellt, obwohl das eingebaute Navigationsgerät nicht in Betrieb ist. Nur die Richtungsanweisungen per ID. Light behält VW noch dem eigenen Navi vor. Obwohl es technisch wahrscheinlich gar nicht so aufwendig wäre, die LED-Lichtleiste auch per Android Auto oder Apple CarPlay anzusteuern. Wir waren dank der Vorplanung und Google am Ende 20 Minuten eher am Zielort als die kurz zuvor bei uns gestartete befreundete Familie, mit ihrem Golf Variant (Diesel). Sie hatten die eingebaute Navigation von VW genutzt. Für beide Familien war, an unterschiedlichen Raststätten, nach gut drei Stunden Fahrt eine Pause nötig. Unser Elektroauto wurde währenddessen wieder auf 80 Prozent geladen. Meine Frau empfand die 30 Minuten schon etwas kurz, sie sah aber wahrscheinlich in meinen Augen den Ehrgeiz, schneller als der Verbrenner am Ziel zu sein.

Immer Ärger mit IONITY

Da wir das Zwischenziel mit 140 km Restreichweite ansteuerten, ließ mich dieser fast schon typischen IONITY-Fail nicht nervös werden. Von insgesamt vier Ladesäulen waren zwei Ladesäulen belegt, und zwei Säulen defekt. Zumal ich das Auto nur ein paar Meter weiter steuern musste, um dann eine der freien E.ON Säulen dort zu nutzen. Die 350kW von IONITY hätte der ID nicht voll ausnutzen können, selbst die 175kW der E.ON waren für die aktuelle Ladetechnik des Fahrzeugs mehr als genug. Geladen hat er schließlich laut App mit 300 km/h, was nicht die volle mögliche Performance des IDs entspricht. Was wirklich geht, mit dem Auto, darauf komme ich später noch mal zurück. Am darauffolgenden Montag rief ich bei IONITY an und wollte die defekten Säulen melden. Ich hatte ja Fotos von den Identifikationsnummern gemacht. Tatsächlich bestätigte mir die freundliche Servicekraft den immer noch defekten Zustand. Dort muss ein Team vor Ort das Problem lösen. Ein ferngesteuerter Neustart ging nicht. Jetzt eine gute Woche später wollte ich nicht noch einmal anrufen. Zumindest ist eine Säule in der Moovility-App noch oder schon wieder als defekt gekennzeichnet.

Langsame AC-Lader am Zielort kein Problem

Angsthasen Ladepaket

In Dagebüll angekommen, hatte der ID noch eine Restreichweite von 160 km. Ich hatte vorher recherchiert und auch per E-Mail bei der Touristeninformation angefragt. Dort wurden mir von vier AC-Ladestellen im Ort berichtet. Das Hotel neben unserer Ferienwohnung hatte zwei Stellplätze mit Typ 2 Anschlüssen. Der ID hätte dort mit maximal 11 kW laden können. Doch ist die Ladesäule nur für Hotelgäste oder Restaurantbesucher gedacht. Vier Stunden habe ich höchstens mal bei Familienfeiern in einem Restaurant zugebracht. Ein weiteres Hotel in der Nähe bietet ebenfalls für Gäste zwei Ladeplätze an. Dann gibt es noch einen großen Parkplatz für Inselhopper mit Lademöglichkeiten und direkt am Hafen. Beide Ladezonen sind aber hinter einer Schranke für die Kunden reserviert. Wenn ich dringend auf Ladestrom angewiesen wäre, dann hätte ich mit freundlicher Nachfrage sicher an einem der vier Stellen laden können. Für den absoluten Notfall hatte ich ja noch mein Angsthasen-Ladepaket dabei (Verlängerungskabel und Schukoladegerät). Unsere Ferienwohnung hatte eine Außensteckdose und unser Parkplatz war nah genug dran. Wir waren mit dem Auto nur einmal an einem Regentag zu einem Ausflug nach Husum, ansonsten haben wir mit Inselbahn, Fähre und Fahrrad die Inseln Föhr, Sylt und Amrum besucht. Am Abreisetag reichte frühmorgens ein kleiner Abstecher zum 16 km entfernten GreenTec-Campus in Enge-Sande, um dort per DC-Schnelllader zu laden. Sodass wir für die Abreise mit einem Akkufüllstand von 80 Prozent starten konnten.

Die leidige Rückfahrt durchs Nadelöhr Hamburg

Hätte ich vorher mal geschaut wie gut unser Urlaubsort per Bahn zu erreichen ist, dann hätte es diesen Artikel hier nicht gegeben. Die Hinfahrt war von der Zeit her fast identisch mit der Fahrzeit per Bahn. Für die Rückfahrt kamen wegen Stau und sehr zähem Verkehr in Hamburg noch einmal gut 1,5 Stunden obendrauf. Dass das jetzt an der leichtsinnigen Verwendung des eingebauten Navigationsgerätes gelegen hat, mag ich nicht behaupten. Jedenfalls hatte ich für die Rückfahrt nicht großartig recherchiert und wollte das dann kurz eben im vollgepackten startbereiten Auto sitzend, erledigen. Eine wegen der beiden Jugendlichen auf dem Rücksitz leicht genervte Ehefrau auf dem Beifahrersitz, ließ mich dann leichtsinnig werden und sagen: „Mausi wähle einfach Zuhaus als Ziel„. Schließlich kann die Volkswagen Navigation notwendige Ladestops – also Zwischenziele – alleine ohne vorherige Recherche berechnen. Mit dem Smartphone müsste ich erst die Strecke in der AbetterRoutePlanner-App berechnen lassen und dann an Google Maps übergeben. Der letzte Schritt funktioniert aber nur, wenn das Smartphone nicht schon mit Android Auto verbunden ist. Somit vertrauten wir auf die Routenplanung von VW. Die Familie mit dem Verbrenner fuhr ebenfalls zeitgleich ab. Irgendwann trennten sich unsere Wege, denn sie hielten sich strikt an ihre bekannte Strecke. Während wir in Hamburg im Stau standen, sagte mir meine Frau, dass sie bereits in Richtung Lüneburg fahren. Somit waren sie uns diesmal eine gute Stunde voraus, obwohl die freundliche Stimme der VW-Navigation uns mehrfach mitteilte: „Ihre Strecke enthält Störungen, sie befinden sich immer noch auf der besten Strecke!“.

Ein tolles Ladeerlebnis

Der lange Stau in Hamburg hat uns trotz laufender Klimaanlage keine zählbaren Kilometer an Reichweite gekostet. Dennoch war ich sehr gespannt zu was für eine Ladesäule uns der ID leiten würde. Mit 60 km Restreichweite lenkte ich zur blauen Aral Tankstelle in Winsen. Tatsächlich war es eine der noch relativ neuen Ladestationen mit vier Schnellladestellen, die ich kürzlich auch einer Fahrt nach Berlin bereits testen konnte. Alle Säulen waren frei und betriebsbereit. Dann sah ich zum ersten Mal eine Ladeleistung von 100kW an der Ladesäule. In der We Connect App standen 720 km/h. Diesmal ließen wir uns Zeit im Schnellrestaurant nebenan, und somit war der Akku nach gut 50 Minuten knapp über 90 Prozent gefüllt. Das wäre für die restliche Strecke zwar nicht notwendig gewesen. Dennoch von Vorteil, weil meine Frau an dem Tag unbedingt noch eine weitere Fahrt mit 100 km Strecke eingeplant hatte.

Mein Fazit: Wenn es geht, lieber mit der Bahn

Eine Urlaubsfahrt mit aktuellen Elektroautos ist kein Problem. Nach drei Stunden Fahrt braucht man mit Familie in jedem Auto einfach eine Pause. Wenn man währenddessen direkt neben dem Restaurant laden kann, kostet es keine Minute extra. Nervige Dinge wie Stau und dauerhafte Konzentration bei einer Fahrt mit dem Automobil bleiben auch mit dem Elektroauto erhalten. Das nächste Mal schaue ich vorher, ob es auch eine Bahnverbindung gibt. Das kommt dem Wunsch: „Urlaub von Anfang an“ schon näher. Und nach der Heimfahrt hat man meist seinen frisch vom Urlaub aufgeladenen inneren Akku, nicht schon wieder komplett aufgebraucht.

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